Alvaro Munera - Kolumbien

Auszug aus dem Buch „Wenn der Himmel seine Augen verschliesst“ von Caroline Waggershauser

Es wurde eine Videokonferenz mit Kolumbien, Medellín hergestellt. Herr Alvaro Munera, ex Torero erschien auf der großen Leinwand. Er erzählte uns von seinem Leben als kleiner Junge, der von seinem Vater in die Welt des Stierkampfs entführt worden war. Die gleiche Geschichte wie bei Antonio Moreno. Nur, in diesem Fall wurde aus dem Jungen ein Torero.

Er hatte das Zeug, ein berühmter Torero zu werden. Reich zu werden, sich mit schönen Frauen zu umgeben, berühmt zu werden. Nur zweimal zweifelte er an seinem Beruf, wollte ihn sogar niederlegen.

Nach einem “Übungs”stierkampf mit einer Kuh sah er rein zufällig zu, wie diese vom Schlachter aufgeschlitzt wurde und aus ihrer Bauchhöhle ein Kälbchen fiel. Er war derart geschockt, dass er weinend davonlief und sich in sein Hotelzimmer flüchtete. Er hatte nicht nur ein Leben genommen, sondern zwei. Das eines vollkommen unschuldigen Kälbchens. Das saß tief. Doch da kam schon sein Manager und klopfte ihm väterlich auf die Schulter. Er meinte, das würde eben mal ab und zu passieren. Er solle doch daran denken, reich zu werden. Er könnte dann alle schönen Frauen haben, sich alles leisten. Der junge Alvaro gab unter Schluchzen nach, doch diese Szene konnte er bis heute noch nicht vergessen.

Das zweite Mal war ebenfalls eine “Übung”. Er musste den “estoque” üben, den Todesstoß mit dem Degen. Da er noch reichlich unerfahren war, gelang es ihm nicht, diesen jungen Stier auf Anhieb zu töten. Bis zu viermal holte er aus dem zitternden, jungen Körper, der sich mit aller Kraft auf den Beinen halten wollte, den Degen heraus.

Unten, auf der Bauchseite hatte sich durch die Degenstöße schon eine Öffnung gebildet, aus der die inneren Organe nach draußen drangen. Der kleine Stier kämpfte um sein Leben, er wollte auf den Beinen bleiben, er zitterte am ganzen Leib, doch der Tod war stärker. Als er zusammenbrach, musste sich Alvaro gegen die Holzwand stützen, er weinte laut. Er schluchzte, dass er das nicht mehr machen wollte. Er wolle nicht weitermachen. Dieses Handwerk sei entsetzlich. Doch wie immer war sein Manager schnell zu Stelle und überredete seinen ihm anvertrauten “Lehrling” dazu weiterzumachen.

Er versprach ihm eine gloreiche Zukunft als Torero und sprach von all den Dingen die für einen armen Jungen wie ein sonst nie wahr zu werdender Traum klingen mussten.

Ich konnte diese Erlebnisse von Herrn Munera bereits vor zwei Monaten in einer Konferenz, der FOMA, in Barcelona hören, doch auch beim zweiten Mal, jetzt in Genf, ging mir sein Bericht zu Herzen.
Mit 17 Jahren erwischte ihn dann ein Stier, der ihm die Wirbelsäule derart verletzte, dass er seitdem im Rollstuhl sitzt. Langsam begann sich sein Leben zu ändern. Heute sitzt er im Stadtrat von Medellín und hat erreicht, dass diese Stierkampfstadt sich “antitaurina” erklärt hat.

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